DR. ERPEL: DER IT-LEITER DES GRAUENS

Irgendwie sind viele IT-Leiter doch inzwischen zu natürlichen Feinden des Fortschritts geworden. Kaum jemand mag noch diese klobigen, mit billigen Plastik umhüllten Notebooks und die unglaublich langsamen Betriebssysteme – nur diese IT-Leiter verteidigen alles Bestehende mit Zähnen und Klauen - normalerweise jedenfalls. „Der Mann verbarg Ahnungslosigkeit hinter hektischer Aktivität“ So einem echt grauenvollen IT-Leiter ist Dr. ERPel neulich erst wieder begegnet. Er hockt seit über 15 Jahren in seinem Büro, ist mit der Eigentümerfamilie gut befreundet und hat drei Jahre lang vergeblich, aber auch nicht sehr systematisch nach einem neuen ERP-System gefahndet. Kein Wunder, denn Anforderungen, gar systematisch zusammengestellt, gab es nicht. Bewertet wurde nach Gutsherrenart „keine gute Chemie“ und so sicherte der Mann sich seine Existenz. Irgendwann schwante den Eigentümern doch, das eine Software von vor 1990 nicht der beste Weg sein könne und ließ einen externen Berater kommen. „Das Prinzip der zwei Zungen“ Der grauenvolle IT-Leiter wandte dann das Prinzip der zwei Zungen an. Wenn der Berater da war, stimmte er allem zu, wenn der Berater weg war erklärte er diesen stets für völlig inkompetent. Trotzdem entschieden sich die Eigentümer, die vom Berater ausgewählte Software einzuführen. Die Kundenumfrage des Anbieters ging, wenige Tage nach Vertragsunterzeichnung, ausgerechnet an den grauenvollen IT-Leiter. „Diebisch grinste er, mit dämonisch blickenden Augen“ Voller Wonne gab er bei der Frage nach der Nutzung in Betrieb in der Kundenumfrage ein mangelhaft und sparte auch sonst nicht mit (unberechtigter) Kritik. Dumm war, dass das Projekt noch gar nicht angelaufen war. Die Einführung schritt voran, der grauenvolle IT-Leiter behinderte hier und da. Er kümmerte sich um die Performance, indem er Webanwendungen über Terminalserver zur Verfügung stellte, langsame Browser vorschrieb und die Hardware künstlich drosselte. Hier und da verfasste er ein Memorandum mit dem Tenor „Alle Entscheidungen im Projekt sind der IT zur Kontrolle vorzulegen“. Anders als in Horrorfilmen gibt es bei den IT-Leitern des Grauens jedoch leider keinen guten Helden, der aus ihnen kompetente Wertschöpfungsverbesserer macht, denkt Dr. ERPel. P.S. Wenn allerdings eine Software eingeführt wird, die einen schnellen Wechsel in ein anderes Unternehmen verheißt (weil Fachkräfte mit Kenntnissen in dieser Software stark nachgefragt werden), dann ist der grauenvolle IT-Leiter der Erste, der eine Ablösung fordert und dann ist er auch schnell weg…