TÄGLICHE HYGIENE EMPFOHLEN

Für viele IT-Leiter ist – beziehungsweise war – die Einführung eines ERP-Systems im Unternehmen der Höhepunkt der eigenen Karriere. Nie stand man mehr im Mittelpunkt. Nie war die Abstimmung zwischen gewünschten Geschäftsprozessen und möglicher technischer Umsetzung aufwendiger, wenn nicht gar aufreibender. Kein Wunder also, dass viele IT-Leiter – erst recht, wenn sie die Pensionsgrenze in greifbarer Nähe sehen – ein solches Projekt scheuen wie der Teufel… Aber lassen wir das.
Doch kaum ist das Terrain der Geschäftsprozessoptimierung eingefriedet, droht Ungemach aus einer völlig anderen Ecke. Der digitale Wandel grüßt über den Zaun und verlangt das Nachdenken über neue Geschäftsprozesse, ja Geschäftsmodelle in einem sich wandelnden Markt. Für viele Unternehmen bedeutet das, auch die eigene IT-Infrastruktur erneut auf den Prüfstand zu stellen. Dabei hatte man doch gerade so etwas wie Burgfrieden zwischen den Nachfragern aus den Fachabteilungen und den Anbietern aus der IT erreicht.
Aber ERP-Systeme und vor allem ihre zielgerichtete Implementierung sind nun mal ein strategisches Asset eines Unternehmens. Richtig eingestellt, stellen sie sicher, dass das Geschäftsmodell eines Unternehmens weitgehend automatisiert funktioniert und die arbeitsteilig daran beteiligten Instanzen auf dem bestmöglichen (sprich: aktuellsten und akkuratesten) Informationsstand agieren können. Passt das ERP-System nicht zum Geschäftsmodell, ist das Unternehmen dem Tod geweiht.
Und hier liegt die Crux des digitalen Wandels. Wer jetzt aus gutem Grund seine Geschäftsmodelle überdenkt und gegebenenfalls neu überdenkt, sieht sich möglicherweise einem internen Hemmschuh gegenüber – dem eigenen (vielleicht sogar monolithisch strukturierten) ERP-System, dessen technisches Beharrungsvermögen zwar den Status Quo ideal unterstützt, aber jede organisatorische und organische Veränderung blockiert.
Da ist es kein Wunder, wenn laut einer Bitkom-Befragung unter den ERP-Anbietern die Stimmung kaum besser sein könnte. Die Strukturveränderungen, die sich für jedes Unternehmen angesichts des digitalen Wandels abzeichnen, führen nicht selten zu einer Neuausrichtung der ERP-Infrastruktur. Was heute noch gut funktioniert, darf die Geschäftsmodelle von morgen nicht behindern. Das System, das nicht in der Lage ist, mit der Zeit zu gehen, geht mit der Zeit.
Deshalb herrscht Hochkonjunktur unter Unternehmensberater, ERP-Projektleitern und ERP-Anbietern. Dass das Enterprise Resource Planning eine vierte Konjunktur seit der Erfindung der Materialbedarfsplanung in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts erlebt, hat nicht nur mit den geänderten Bedarfen zu tun. Die ERP-Anbieter selbst haben ihre Systeme in die dritte, wenn nicht gar vierte Generation gehievt, in der Cloud Computing, Mobile Computing und agiles Handeln angesichts von Big Data, Internet der Dinge oder Predictive Analytics gefragt sind.
Der verstorbene Arbeitswissenschaftler Frederick Herzberg hat ERP-Systeme seinerzeit als Beispiel für „Hygienefaktoren“ bezeichnet, mit denen die Arbeitsumgebung eines Mitarbeiters so gestaltet werden, dass er auch weiterhin Spaß an der Erledigung seiner Aufgaben hat. In seiner Zwei-Faktoren-Theorie war die Motivation die andere treibende Kraft für persönliches Engagement.
In Zeiten des digitalen Wandels stellen wir fest, dass sich beide Faktoren einer Runderneuerung unterziehen. Die Motivation, in einem gewandelten Markt mit neuen Geschäftsmodellen zu reüssieren, ist die eine Seite – und Aufgabe der Unternehmensführung. Die Arbeitsumgebung für ihre Umsetzung bereitzustellen, ist die andere Seite – und Aufgabe des IT-Leiters oder CIOs. Die Erneuerung der ERP-Ausstattung ist also ein Akt der täglichen Hygiene im Unternehmen. Sie schafft nicht unbedingt Wettbewerbsvorteile, aber ihr Fehlen bedeutet einen massiven Wettbewerbsnachteil.
Die guten Konjunkturzahlen unter den ERP-Anbietern hierzulande sind ein sicheres Indiz dafür, dass die IT-Leiter und CIOs das sehr gut begriffen haben.
Und übrigens: Wenn Sie mehr erfahren wollen, besuchen Sie die ERP-Fachmesse und den ERP-Kongress am 17. und 18. Oktober im Frankfurter Sheraton Airport Hotel & Conference Center.
Hier geht’s zur Anmeldung: http://www.erp-kongress.de/anmeldung-ERP-Kongress2017